23. November 2014

In Deutschland kann man Gewalt gegen Frauen bald lernen - Seminare von Julien Blanc

No sexism racism homophobia
No sexism racism homophobia (Photo credit: Wikipedia)By Kurt Löwenstein Educational Center International Team from Germany (ws'08 (21)) [CC-BY-2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons
Ich rufe ja nicht zur Geschäftsschädigung von anderen auf. Mach ich nicht. Oder doch? Vielleicht in diesem post. Und im Netz habe ich mich auch schon beteiligt.

Es gibt Leute, die verkaufen kranke Produkte. Zum Beispiel, wie man Frauen mit Gewalt so manipuliert, dass man sie ins Bett kriegt.
Die Anbieter dieser Seminare - kein Witz! - wollen nun nach Deutschland.

Eng verbunden mit den "Seminaren mit sexuellen Übergriffen" ist ein Name: Julien Blanc.


Er ist gebürtiger Schweizer, lebt in USA und er gibt Seminare, wie man Frauen "klarmacht". Und zwar auch auf die harte Tour. Wie die genau aussieht, darüber kann man über die Links mehr erfahren. Hier ein berühmt gewordenes Zitat aus einem seiner Vorträge durch die SZ:


Das wörtliche Zitat kann man auch "life" erleben in einem Videoclip eines Vortrags von ihm auf youtube. Übrigens, er hat auch Videos ins Netz gestellt, in denen er Frauen an der Kehle packt. "Chock opener" nennt er das. Es ist einen Methode, um den Verstand auszuschalten, so dass sie besser manipulierbar ist. So seine Erklärung.

Oder ein weiteres Bespiel dieser Geisteshaltung, diesmal aus einem Blogeintrag:
http://indub.io/blog/2014/11/16/pua/
Auf seiner Seite wirbt er mit dem Spruch:

Make Girls BEG To Sleep With You After SHORT-CIRCUITING Their Emotional And Logical Mind Into A Million Reasons Why They Should…


Ich brauche nicht zu übersetzen oder?

Was ich mich auch frage:

Warum zahlt jemand an die 3000 Dollar (knappe 2400 Euro, so viel kosten manche Seminare), um Seminare zu besuchen, in denen es auf diesem Niveau zugeht? Neugierde? Sensationslust? Und wer will das wirklich anwenden? Jemand, der Fan von Gefängnisaufenthalten ist?

Dass das Publikum nur aus selbstunsicheren, verzweifelten, geistig nicht mit der Zeit mitgegangenen Männern besteht, wäre eine Vermutung, aber ich verweigere mich gerne solchen Schablonendenken. Das ist etwas für gender-Beauftragte (sorry, das war bösartig, aber ich konnte nicht widerstehen)

Meine Welt jedenfalls ist bunt, nicht schwarz-weiß.

Auf facebook postete Blanc eine Infographik über häusliche Gewalt - als Anleitung für Männer, wie sie mit ihren Frauen umgehen sollen, damit sie ihnen nicht weglaufen (s. in den Links)

Verbote sind zu sehr old style 

Australien hat Blancs Visa gestrichen. UK ebenso. Damit befindet er sich in Gesellschaft mit anderen unangenehmen Zeitgenossen wie Holocaustleugnern oder Attentäterverdächtigen etc. In Brasilien wurde ihm die Einreise verweigert.

Ich bin kein großer Freund von solchen Maßnahmen. Ok, kann man machen, Australien oder UK ist mit seinem Visumentzug das Problem los. Brasilien auch. Jetzt will er das Ganze in Deutschland anbieten. Das Problem mit diesen Verboten ist, dass man das Problem nur verschiebt, anstatt löst.

Mir wäre es lieber, solche Leute wie er, würden keine Kunden bekommen. Dann würde sich das alles erledigen, und zwar sicherer als es ein Verbot tut. Dass es Leute gibt, deren geistige Gedankenwelt einfach ungesund sind, dagegen kann man nichts machen. Damit muss man umgehen lernen. Aber wieso zum Kuckuck sind solche anscheinend so erfolgreich im Geschäft? Wenn man da ansetzen könnte, würde man das Problem an der Wurzel packen.


Jetzt die gute Nachricht: Genau das geschieht!

Im Internet formiert sich Widerstand. So hat sich auf twitter unter verschiedenen hashtags eine Offensive gegen die Firma, in deren Namen Blanc operiert, breitgemacht. Bevor jetzt wieder manche meinen, das ist eh nur etwas ohne Wirkung, lassen Sie uns anschauen, was wirklich passiert:

Es laufen weltweite Kampagnen gegen den Typen. User fordern (und es sind Hunderttausende) dazu auf, dass das Unternehmen verboten wird. Hotels werden von Massen angeschrieben und aufgefordert, die Veranstaltungen von Blanc abzusagen. Seine Kreditkartenfirmen werden angegangen, die Zahlungen an ihn nicht zu akzeptieren.



Wer je einmal selbstständig war, der weiß: Das ist ein Gau. 

Reputation ist die Grundlage von solchen Anbietern und das, was jetzt passiert, ist ein Frontalangriff.

Von allen Seiten.

Weltweit.

Es gibt kein Entkommen und niemand wird das aus der Welt schaffen können. Was im Netz ist, bleibt im Netz. So etwas wirkt wesentlich gründlicher als es staatliche Verbote je sein können.

Blanc hat sich, um den Schaden zu begrenzen, in einem CNN-Interview entschuldigt. Es war alles nur ein dummer Versuch, lustig zu sein und er will in Zukunft sensibler sein. In dem, was per Video dokumentiert wurde, sah es allerdings nicht so aus, als wäre es auf einem Seminar eine Scherzeinlage gewesen. Und ehrlich gesagt, ...

... ein menschenverachtendes Auftreten wird dadurch nicht weniger menschenverachtend, indem man es zu einem missglückten Versuch erklärt, witzig zu sein. Ehrlich gesagt, ich hoffe, das alles nützt ihm nichts.


Wenn Blancs Seminare verschwinden, wird die Welt besser! Der Mann ist 25. Er hat noch alle Zeit, sich einen neuen Job zu suchen und etwas anderes aufzubauen.


Dass so viele gegen Blanc vorgehen, zeigt, dass die Zeiten besser werden. Wir kommen vorwärts. Sexismus, Gewalt und Verachtung gegenüber Menschen ist Teil unseres Alltags. Natürlich macht die Firma, für die er steht, weiter. Es ist der Sarrazin-Effekt: Selbst wenn ich zuweilen Müll verkaufe, bleibe ich bei der Haltung "Jetzt erst Recht". Aber es gibt viel mehr, die dagegen angehen. Und nicht nur ich, sondern auch die anderen Hundertausende kriegen das auch noch hin.


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1 Kommentar :

  1. Diesen Julien Blanc sollte man hinter Gitter sperren Paul von Medizinfuchs

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